Offenland

In der Biologie ist Offenland ein Begriff, der immer mehr Verbreitung findet. Einfach gehört dazu alles, was nicht verbaut, nicht bewaldet oder ein Gewässer ist, z.B.: Streuobstwiesen, Blumenwiesen, Steinbrüche, Feldwege, Weinberge, Heiden, Feuchtwiesen, Moore, Äcker, aber auch durch den Menschen völlig zerstörte Flächen (Bergbau/Militär). Offenland erlaubt die Verbreitung vieler Pflanzen und Tiere und steht somit für Biodiversität.

Offenland steht für mich auch als Metapher für eine zugängliche Landschaft oder für „Neuland“ betreten: Nicht neue Landschaften zu finden, sondern neue Sichtweisen zu bekommen. Auch Unerwartetes erfahren.

Offenland zeigt im übertragenen Sinne, dass Kultur und Natur sich bereichern können. Um Vielfalt wahrnehmen zu können, muss ich die Eigenarten unterscheiden können. Die Arbeiten, die unter dem Offenland erscheinen, beschäftigen sich mit dem, was wirklich da ist, um uns herum existiert. Dabei hilft mir Beobachtung von Natur und der natürlichen Welt durch Dokumentation mit Bild und Text. Darüberhinaus arbeite ich mit Pflanzenmaterialien, mache Zeichnungen oder Hörspaziergänge.

1. Tagebuch Aufzeichnungen eines Vorfrühlings

„Sogar eine verwundete Welt ernährt uns. Sogar eine verwundete Welt hält uns fest und schenkt uns
Momente des Staunens und der Freude. Ich wähle Freude statt Verzweiflung. Nicht weil ich den Kopf in den Sand stecke, sondern weil mir die Erde täglich Freude schenkt und ich das Geschenk zurückgeben muss.“ Robin Wall Kimmerer 

Metamorphosen und Transite

Im Frühling ist die Welt voll von Dingen, die zu anderen Dingen werden. Eine Knospe wird zur Blüte, eine Kaulquappe mutiert zum Frosch, ein Zugvogel kehrt über die Alpen zurück oder eine neue Blume erwächst aus dem Nichts. Was passiert von Tag zu Tag und wie verändert sich die Welt?

Ich erinnere mich an den Beginn dieses Frühjahrs. Ein Astrologe verkündete, es werde ein Frühjahr, dass von Monaten der Liebe und Verbundenheit im Zeitalter der Fische geprägt sei. Tatsächlich war der Wunsch nach menschlicher Wärme nach den Corona Zeiten groß und die Hoffnung stieg in diesen Tagen, dass wieder ein Stück Normalität in den Begegnungen einkehren würde. Dann kam der Krieg in der Ukraine.

Das, was ich dort in der medialen Berichterstattung sah und meine Naturbeobachtungen lagen wie eine Doppelbelichtung in Schichten übereinander – Feuerwehren, die in der Ukraine zwischen qualmenden Trümmern unterwegs waren und hier – am Bodensee – friedlich grasende Pferde auf einer Weide. Kirschblüten, die wie Schneeflocken tanzten und tote Menschen, die auf der Straße lagen. Rauch der Bombenangriffe und zarte Frühlingsdüfte. Es fiel mir sehr schwer, mich auf das Erwachen der Natur und auf ein Naturtagebuch zu konzentrieren.

Meine Wahrnehmungen waren begleitet von den Ereignissen dieser Tage. Sie waren so anders als dieses Helle und Aufkeimende, eher düster und lähmend. Das Tagebuch handelt über Veränderungen in die eine oder andere Richtung. Es sind Aufzeichnungen und Beobachtungen über Natur und die Wahrnehmung des Krieges – aus der Ferne – entstanden. Eine Mischung aus Kurztexten und Illustrationen.

2. Offenland Werkstattbuch

Zum Projekt Offenland gibt es ein weiteres Künstlerbuch mit Werkstattarbeiten: mit Wachs, Kleister und hauchdünnem Papier überzogene getrocknete oder gekochte Pflanzenmaterialien. Blätter als Monotypien (Naturselbstdruck). Dazu Texte. Die Materialien sind u.a. getrocknete Blüten, Pflanzenteile und Wachs, Heu, Brennnesseln, Schachtelhalm. Dazu Zeichnungen und illustrative Verfremdungen auch mittels Computer. Offenland ist eine Experimentalwerkstatt, die die Bilder wie in einem Garten wachsen läßt. Oder behutsam eingreift und verändert. Die Diversität des Offenlandes drückt sich in der Vielfalt der Verarbeitung aus. Es entstehen eigene poetische Bilder des Vergänglichen.

„Tagebuch Offenland“ wurde gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden- Württemberg, die so das Entstehen des Projekts ermöglicht hat.

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